Newsletter vom 01.07.2011

Newsletter der DDIM - Ausgabe 2/2011

Liebe Mitglieder, liebe Leserinnen und Leser,

die jüngsten Zahlen zum Arbeitsmarkt sprechen eine deutliche Sprache: Deutschland ist auf dem Weg zur Vollbeschäftigung und der Markt für qualifizierte Arbeitskräfte wird zusehends leergefegt. So muss etwa die Personalleasing-Branche laut jüngsten Meldungen bereits Aufträge ablehnen, da sie keine Mitarbeiter mehr findet. Die Wirtschaft reagiert auf diese Verknappung, indem die Unternehmen verstärkt versuchen, bislang befristet Beschäftigte mit attraktiven Angeboten dauerhaft zu binden.

Diese Entwicklung hat natürlich stark konjunkturelle und insofern zeitlich begrenzte Ursachen. Viel bedeutsamer - auch für die Interim Management Branche - ist aber die dahinter liegende und in ihrer Bedeutung noch oft verkannte demografische Entwicklung. Denn neben Facharbeitern und klassischen Angestellten werden auch qualifizierte Fach- und Führungskräfte knapp. Einerseits wird unsere Branche daher perspektivisch noch stärker wachsen. Andererseits werden auch wir Interim Manager häufiger "unmoralische" Angebote erhalten, auf Dauer zum Auftraggeber zu wechseln. Doch damit enden bereits die Parallelen zum Personalleasing. Denn anders als Zeitarbeiter sind professionelle Interim Manager nicht humane Ressourcen im Wartestand der Vollanstellung. Wiewohl entsprechende Angebote attraktiv sein können und der Schritt in die Festanstellung im Einzelfall der richtige Weg, sind Interim Manager in der Regel ganz (selbst-)bewusst und entschieden freie Unternehmer - nur knapp zehn Prozent wechseln in ein dauerhaftes Anstellungsverhältnis.

Gleichwohl werden wir in den nächsten Jahren "Abgänge" verzeichnen. Zugleich aber werden verstärkt gut ausgebildete jüngere Manager nachrücken, die die Perspektive Interim Management mit ihren Erfolgschancen, ihren vielschichtigen Aufgaben und vor allem ihren großen Freiheitsgraden ganz gezielt ansteuern. Und auch auf der Seite der Corporate Manager wird es mehr Bewegung geben. Personalberater werden noch intensiver versuchen, Fachleute und Führungskräfte aus Unternehmen zu lösen, um sie anderen anbieten zu können. Das Personalkarussell wird sich nochmals schneller drehen, so dass auch "feste" Manager zunehmend "auf Zeit" in Unternehmen wirken - die Grenze zwischen Interim Management und Festanstellung wird spürbar duchlässiger. Um die Früchte dieser ausgeprägten Beweglichkeit zu ernten, werden viele Manager gleich direkt den Weg zum Interim Management suchen - und auf diese Weise vom "gehandelten Objekt" zum handelnden Subjekt der sich flexibilisierenden Wirtschaft werden.

Wir beobachten diese wachsende Beweglichkeit der Personalressourcen nicht nur, wir gestalten sie aktiv mit. So laden wir gemeinsam mit der Stiftung der deutschen Wirtschaft für Arbeit und Beschäftigung (SWAB) zur offenen Networking Conference im Anschluss an das traditionell eher auf die Interim Management Branche ausgerichtete IIMM ein. Unter dem Titel "Interim Manager und freie Spezialisten als Ressourcen flexibler Unternehmensführung" wollen wir mit Unternehmern, Managern, Personalern und freien Spezialisten neue und flexiblere Formen des Managements diskutieren.

Seien Sie dabei! Ich würde mich sehr freuen, Sie am 25. und 26. November in Wiesbaden auf dem 7. IIMM und unser anschließenden Networking Conference wieder zu sehen.

Ihr

Jens Christophers


Der Newsletter ist in vier Themengebiete aufgeteilt. Klicken Sie auf die Reiter, um die Inhalte der Karteikarten einzusehen.

DDIM Provider und Sozietäten Mitglieder zur aktuellen Marktsituation


Wie schätzen DDIM Provider und Sozietäten Mitglieder die aktuelle Marktsituation ein und wie lautet ihre Prognose für das kommende Quartal?


Constance Bräuning-Ast; REM PLUS GmbH - Management auf Zeit:

Die aktuelle Marktsituation ist sehr gut. Über alle Branchen hinweg wird aus ganz unterschiedlichen Gründen angefragt (z.B. Vakanzüberbrückung, Prozessoptimierung). In einigen weltweit agierenden Konzernen ist das Thema Interim Management mit all seinen Möglichkeiten aber immer noch nicht präsent. Auch viele mittelständische Unternehmen lassen nach wie vor Positionen monatelang unbesetzt, statt einen Interim Manager als Vakanzüberbrückung einzusetzen. Hier gilt es noch viel aufzuklären und Möglichkeiten und Chancen aufzuzeigen. Wir erwarten wieder einen ruhigeren August aufgrund der Schulferien, ansonsten eine gleichbleibend starke Nachfrage.

Matthias Cropp; Ludwig Heuse GmbH interim-management.de:
Wir sehen weiterhin gute Wachstumschancen im Interim Management. Die Nachfrage im Neugeschäft ist gestiegen, zudem werden Mandate verlängert, da geplante Festbesetzungen oft nicht rechtzeitig oder nicht erfolgreich abgeschlossen werden können. Derzeit sind 7 bis 8 von 10 angefragten Interim Managern in Projekten aktiv, Anfang 2010 lag die Quote noch bei 5 von 10. Die aufgerufenen Tageshonorare sind gegenüber 2010 um 10 bis 15 Prozent gestiegen. Die positive Tendenz wird sich auch im kommenden Quartal fortsetzen.

Dr. Dietmar Kablitz; EIM Executive Interim Management GmbH:
Die aktuelle Marktsituation stellt sich außerordentlich positiv dar. Es liegen sehr viele seriöse Anfragen vor, sowohl national als auch international. Auch die Interim Manager scheinen hervorragend ausgelastet zu sein. Für das dritte Quartal 2011 sehen wir eine Fortsetzung dieser positiven Entwicklung.

Lennart Koch; taskforce - Management on Demand AG:
taskforce schätzt die aktuelle Marksituation sehr positiv ein. Die Auslastung unserer Partner - und damit auch der Umsatz - befindet sich auf einem hohem Niveau und steigt seit einem Jahr kontinuierlich. Insbesondere mittelständische Firmen sind sehr aktiv und setzen immer mehr auf Interim Management. Auffällig ist der Trend zur Qualität. Der Auswahlprozess wird auf Kundenseite immer sorgfältiger geführt, auch vermehrt unter Einbeziehung des HR Managements. Besonders gefragt sind derzeit Kompetenzen in IT, Sales und Supply Chain. Ein Dauerbrenner bleibt das Thema Restrukturierung. Steigende Nachfrage sehen wir auch im Projekt- und Programm Management. Auch für Q3 sind wir sehr zuversichtlich. Firmen haben einen hohen "Projektload" und gehen diesen mit viel Elan an.

Andreas Lau; Hanse Interim Management GmbH:
Der Begriff "Interim Management" ist immer mehr Kunden bekannt, wird aber sehr oft noch nicht mit Führungspositionen verbunden, sondern als "Zeitarbeit+" angesehen. Kunden fragen verstärkt Experten statt Generalisten an, auch auf Managementebene. Der persönliche Kontakt, das eigene Netzwerk und Empfehlungen werden zunehmend wichtig. Das 3. Quartal wird weiterhin ansteigende Marktzahlen bringen. Fukushima hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. Die Branchen Energie, Gesundheit und Rohstoffe werden weiterhin wachsen. Spannend wird zu beobachten sein, inwieweit die Eurokrise und das strauchelnde Amerika möglicherweise eine neue Konjunkturkrise verursachen.

Dr. Harald Linné; Atreus interim management GmbH:
Wir bewerten die Marktsituation als gut und gehen weiterhin von einer hohen Nachfrage aus. Wir verzeichnen eine hohe Nachfrage nach Interim Managern in allen Bereichen, insbesondere C-Level- und Operations-Manager sowie internationale Anfragen. Die Klienten sind allerdings bei der Auswahl sehr anspruchsvoll.

Michael Pochhammer; Signium International Interim Executives GmbH:
Der Markt hat sich deutlich belebt. Während Sanierungen weniger angefragt werden, erhöht Private Equity die Nachfrage deutlich. Die Klienten entscheiden wieder langsamer und suchen mit mehreren Alternativen, was den Wettbewerbsdruck erhöht. Die Tagessätze ziehen leicht an. Es gibt allerdings inzwischen viele Interim Manager mit zu geringer Auslastung - der Wettbewerb nimmt durch den hohen Neuzulauf sehr stark zu. Bis auf die übliche Sommerpause erwarten wir in Q3 die gleiche Entwicklung wie im ersten Halbjahr.

Dr. Andreas Suter; GroNova Schweiz AG:
Die Marktnachfrage hat sich definitiv stabilisiert bzw. nimmt wieder zu. Gefragt sind alle Disziplinen, sowohl bei Überbrückungen als auch bei anspruchsvollen Projektleitungen. Aufgrund der makroökonomischen Unsicherheiten sind die Unternehmen nicht nur im Feststellenbereich, sondern auch in der Mandatsvergabe zögerlich. 2008er-Verhältnisse hoher Nachfrage werden dieses Jahr sicherlich nicht erreicht.


Dr. Harald Wachenfeld; IMS - Interim Management Solutions:
Nach einer extrem starken Nachfrage in den ersten Monaten des Jahres pendeln sich die Projektanfragen wieder auf ein normales Maß ein. Die Lead-to-Deal-Quote bleibt gut. Gefragt sind Führungskräfte, die national wie international Wachstum generieren können, sowie M&A-erfahrene Profis, die in den verschiedenen Phasen einer Unternehmensakquisition wertschöpfend handeln können (Chief Integration Officer). Auch Optimierung im Einkauf und SCM sind Themen. Wir gehen auch in Q3 von einer weiterhin guten Nachfragesituation aus und erwarten erst gegen Jahresende nochmals einen Peak wie am Jahresanfang. International ausgerichtete Mandate werden an Bedeutung gewinnen.

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